Futterküken sind unerlässlich für die Ernährung von Greifvögeln in menschlicher Obhut

Kalzium, Spurenelemente und Mineralstoffe sind nur drei von vielen Nährstoffen, die ein Greifvogel beim Verzehr von Futterküken zu sich nimmt. Kein anderes Futter ist so essentiell für die ausgewogene Ernährung der Vögel. Deshalb war es der ZÖF (Zentralstelle Österreichischer Falknervereine) ein großes Anliegen, dass Futterküken aus heimischer Produktion weiterhin zur Verfügung stehen. In Deutschland zum Beispiel müssen Futterküken aufgrund eines Verbotes seit Anfang 2022 aus aller Welt importiert werden.

Klar ist, dass eine Diskussion über Tierschutz immer möglich sein muss und, dass dies ein Thema ist, dem wir uns widmen müssen. Für Greifvögel sind männliche Futterküken aber als Ernährung alternativlos. Deshalb unterstützte die ZÖF die QGV (Qualitätsgeflügelvereinigung) bei einer umfassenden Studie zum heimischen Futterkükenmarkt. Im ersten Teil der Studie wurden alle Brütereien nach den Absatzwegen der männlichen Küken befragt. Dabei zeigte sich, dass 2019 immerhin rund 1,5 Millionen Küken unnötig in der Tierkörperverwertung landeten.

 

 

Bereits 11% bzw. mehr als eine Million aller Hahnenküken wurden im Jahr 2019 bereits als sogenannten „Junghahnen“ aufgezogen. Die Aufzucht der männlichen Legeküken startete im BIO-Segment im November 2014 auf Initiative der „Eiermacher GmbH“.

6,6 Mio bzw. 70% der im Jahr 2019 geschlüpften Hahnenküken wurden zur Fütterung an heimische Zoos, an Tierparks, Greifvogelstationen und Falkenzüchter abgegeben.

Interessant war auch das Ergebnis, dass rund 3% der Küken als Futterquelle auch an Tierschutzhäuser und insbesondere auch an Storchenaufzuchtstationen abgegeben wurden. Durch diese Erhebung wurde erstmals die Diskussion über den bisherigen Blickwinkel der Geflügelwirtschaft hinaus verändert.

Die QGV startete unmittelbar nach dem Vorliegen dieser Statistik im Oktober 2020 eine weitere Erhebung. Möglichst viele Zoos, Tierparks sowie Greifvogelstationen Österreichs wurden mittels einem Fragebogen kontaktiert und befragt.

Die Erhebung umfasste die Daten über

  • den Mengen-Bedarf an Futterküken,
  • die Herkunft der Küken beim Einkauf,
  • die Ziel-Tierarten, für die diese Futterküken benötigt werden, und
  • den Zustand der Küken (frisch oder tiefgefroren).

Dank einer sehr hohen und vor allem auch qualifizierten Beteiligung an dieser Erhebung war es der QGV sehr rasch möglich, wesentliche Schlüsse zu ziehen und wertvolle Informationen für die beginnenden politischen Gespräche verfügbar zu haben.

Alleine die Datenlage der bereits im November 2020 vorliegenden Antworten der antwortenden Zoos und Greifvogelstationen zeigte, dass zusätzlich zu den von den österreichischen Brütereien direkt an Falknereien und Zoos abgegebenen frischen Küken jährlich ein umfassendes Volumen von Futterküken tiefgefroren aus Deutschland eingeführt wird. Bereits dieses Teil-Ergebnis bewirkte die Schlussfolgerung, dass der Markt bzw. der Bedarf für Futterküken in Österreich keinesfalls von den österreichsichen Brütereien versorgt werden kann. Anders formuliert, die Einfuhr von Futterküken spielt eine gravierende Rolle!

Selbstverständlich war uns bei diesen Erhebungen nicht nur die Herkunft der Küken und die benötigte Menge wichtig. Aus fachlicher Sicht war natürlich auch interessant, für welche Tiere die Eintagsküken aus den Lege-Brütereien als Futtergrundlage benötigt werden.

 

QGV baut erfolgreiche Kooperation zu OZO und ZÖF auf

Zu Beginn des Jahres 2021 knüpfte die QGV Kontakte zur Österreichischen Zoo Organisation (kurz: OZO) und zu den Falknerverbänden. DDr. Artmann (OZO-Präsident und Direktor Zoo Schmiding) und Dr. Hering-Hagenbeck (OZO-Vize-Präsident und Direktor Zoo Schönbrunn) sowie ZÖF-Präsident Oberhauser (ZÖF = Zentralstelle österreichischer Falknereien).

 

Intensiver Einsatz der Falkner für die Verfügbarkeit von Futterküken Im Bild: ZÖF-Präsident Heinz Oberhauser (Mitte) mit ZÖF-Vizepräsident Martin Ranzenhofer (links im Bild) und DI Stefan Weber (QGV) anlässlich einem von mehreren Besprechungen und Beratungen

 

Sowohl die OZO als auch die ZÖF unterstützten intensiv die QGV-Erhebungen.  Bis zum Sommer 2021 konnte die QGV-Studie fertiggestellt werden. Ausführliche und bis dahin nicht verfügbares Datenmaterial über den Futterkükenmarkt Österreichs konnten  dargestellt werden.

Analysiert man den Anfall von männlichen Legeküken in österr. Brütereien, so wird deutlich, dass ein konstantes Mengenniveau von rund 9,5 Mio Stk Küken in Österreich verfügbar ist.

Aufgrund aller verfügbaren Daten der Erhebungen kann jedoch dargestellt werden, dass nur rund 50% des tatsächlichen Bedarfs an Futterküken aus österreichischer Produktion gedeckt werden kann.

 

Die aus dem Ausland nach Österreich gelieferte Menge Futterküken (übrigens: zu 100% im tiefgekühlten Zustand) ist ziemlich gleich groß.

Koordination der politischen Bemühungen durch die ZAG

Während der Geflügelgesundheitsdienst QGV die Position des Vermittlers zwischen der Geflügelwirtschaft und den Futterkükenverwendern (Zoos, Tierparks, Falknereien …) einnahm leitete ZAG-Geschäftsführer DI Michael Wurzer die politischen Gespräche mit den Vertretern des Ministerbüros des Gesundheitsministeriums und des Landwirtschafts-ministeriums.

Die ZAG vereinbarte mit beiden Ministerien die Abhaltung von Arbeitsgruppensitzungen zur eingehenden Beratung zu den Themen eines sogenannten „3-Säulen-Modells“.

Die erwähnten Arbeitsgruppen umfassten VertreterInnen des BMSGPK, des BMLRT, der parlamentarischen VertreterInnen beider Regierungsparteien, des Instituts für Ethik in der Tierhaltung der VetMedUni Wien und der Landwirtschaftskammer Österreich. Seitens der Futterkükenverwender waren die Präsidenten der OZO und der ZÖF und aus dem Bereich der Geflügelwirtschaft die ZAG, die Eier-EZG sowie Vertreter der heimischen Legebrütereien und schließlich die QGV vertreten.

Je nach Thema wurden externe ExpertInnen beigezogen. Es fanden drei Arbeitsgruppensitzungen (kurz: AG) statt, die sich jeweils einer der „drei Säulen“

  1. der Anerkennung der Futterküken als berechtigten Grund auch künftig Eintagsküken zu töten,
  2. die Aufzucht von männlichen Legeküken in der sogen. „Junghahnenaufzucht“
  3. die Option einer Früherkennung des Geschlechts während der Brut im Ei widmeten.

Die 1. AG widmete sich der 1. Säule, den „Futterküken“. Präsident DDr. Andreas Artmann erläuterte dabei ausführlich die Bedeutung der Futterküken als Nahungsgrundlage für die Versorgung einer Vielzahl von Tieren in den Zoos. Die  Studie der QGV zum Futterkükenmarkt Österreichs bildete den Kern dieser AG.

In der 2. AG leistete QGV Obm.-Stv. Manfred Söllradl den Basisbeitrag zum Thema Junghahnenaufzucht

Branchenvereinbarung nach umfangreichen Gesprächen

Im Dezember 2021 wurde die seitens der QGV ausgearbeitete Branchenvereinbarung für den künftigen Umgang mit männlichen Legeküken in Österreich im Rahmen einer abschließenden Besprechung von Jens Karg und Mag. Thomas Schobesberger (Kabinett HBM Dr. Wolfgang Mückstein), Andreas Kugler, BSc (Kabinett FBM Elisabeth Köstinger) gemeinsam mit ZAG und QGV finalisiert und endgültig akkordiert.

Mit dieser Branchenvereinbarung ist gewährleistet, dass das Töten von männlichen Legeküken in Österreich und die Verwendung als Futter für Zootiere, Greifvögel etc. auch künftig rechtlich als erlaubt gilt und erhalten bleibt!