72. Generalversammlung des CIC: Wien im Zentrum der internationalen Jagd- und Naturschutzpolitik

Die 72. Generalversammlung des International Council for Game and Wildlife Conservation setzte im April 2026 in Wien einen historischen Meilenstein – die diesjährige Versammlung ist die größte in der Geschichte des CIC. Etwa 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 42 Nationen kamen zusammen, um die Zukunft der Jagd, des jagdlichen Naturschutzes und der globalen „Wildlife Economy“ zu diskutieren.

Seit seiner Gründung im Jahr 1930 steht das CIC für den verantwortungsvollen, nachhaltigen Umgang mit Wildtieren – und Wien wurde nun im Frühjahr eindrucksvoll zur Bühne dieser internationalen Verantwortungsgemeinschaft.

Feierlicher Auftakt und große Anerkennung

Die Generalversammlung begann mit einem bewegenden Zeremoniell: der CIC-Hymne und der österreichischen Bundeshymne – ein Moment der Einheit über Ländergrenzen hinweg.

DI Arno Wimpffen eröffnete die Versammlung, gefolgt von Dr. Wulf Hauser, dem österreichischen Head of Delegation, der die historische Dimension hervorhob und besonders Dr. Philipp Harmer, den Weltpräsidenten des CIC, für seine herausragende Präsidentschaft würdigte.

Die internationale Gemeinschaft dankte mit stehenden Ovationen – ein eindrucksvoller Moment der Anerkennung für fünf Jahre außergewöhnlichen Engagements.

Dr. Philipp Harmer: Eine Präsidentschaft mit nachhaltiger Wirkung

Dr. Philipp Harmer hat das International Council for Game and Wildlife Conservation in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt, strategisch weiterentwickelt und international auf eine neue Ebene gehoben. Seine Präsidentschaft war gekennzeichnet von klarer inhaltlicher Ausrichtung, globaler Vernetzung und dem konsequenten Ziel, die gesellschaftliche Bedeutung der Jagd sichtbar zu machen.

Statutengemäß konnte er nach zwei erfolgreichen Perioden nicht erneut kandidieren – zwei Amtszeiten, die durch außergewöhnliches persönliches Engagement, internationale Anerkennung und nachhaltige Impulse für die Zukunft des CIC geprägt waren.

Im Zuge der Generalversammlung wurde Dr. Philipp Harmer der „Golden Merit“, die höchste und wichtigste Auszeichnung des CIC, in Anerkennung seiner Führung verliehen; in Würdigung dieser Verdienste wurde er im Anschluss zum Ehrenpräsidenten ernannt – eine besondere Auszeichnung für eine prägende Persönlichkeit des internationalen Naturschutzes sowie ein Ausdruck höchsten Respekts und Dankes.

Zu seinem wichtigsten Meilenstein während seiner Präsidentschaft sagte er:
„Der große Unterschied in unserer Arbeit war, dass wir uns nicht mehr nur an Jäger gewandt haben, sondern an die nichtjagende Mehrheit. Wir wollten den Wert sichtbar machen, den die Jagd für Gesellschaft und Natur schafft – ohne öffentliche Mittel, getragen von den Jägerinnen und Jägern selbst.“

Mit Blick auf die Zukunft formulierte er: „Die Natur kennt keine Grenzen. Wir müssen international kooperieren und die Jagd global vernetzen, um den Added Value – die Wildlife Economy – transparenter zu machen.“

Sein Wirken hat dem CIC nicht nur neue Sichtbarkeit und Relevanz verliehen, sondern auch die Grundlage für eine noch stärkere internationale Positionierung geschaffen.

Präsidentenwechsel: Ein starkes Fundament für die Zukunft

Nach zwei Perioden Präsidentschaft von Dr. Philipp Harmer wurde sein bisheriger Stellvertreter, der Spanier Luis de la Peña, zum neuen Präsidenten gewählt.

Als langjähriger Deputy President steht er für Kontinuität und eine konsequente Weiterentwicklung der internationalen Arbeit des CIC.

Auch das gesamte Executive Committee wurde neu gewählt. Österreich bleibt weiterhin stark vertreten:

  • Dr. Maximilian Schaffgotsch als einer der neun Vizepräsidenten
  • Dr. Wulf Hauser als Head of Legal Affairs
  • Univ.Prof. Dipl.-Biol. Dr.rer.nat. Klaus Hackländer als Chef der Wissenschaftsdivision

Präsidentenübergabe: Der neue CIC-Präsident Luis de la Peña und bisheriger Präsident Dr. Philipp Harmer.

Franz Mayr-Melnhof-Saurau: Stimme der Praxis und Botschafter eines erfolgreichen Systems

Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Vizepräsident von Jagd Österreich sowie Landesjägermeister der Steiermark, zeichnete ein fundiertes Bild des österreichischen Jagdsystems als international anerkanntes Erfolgsmodell – getragen von Verantwortung, Tradition, wissenschaftlicher Fundierung und gesellschaftlichem Dialog.

Im Zentrum steht die tägliche Verantwortung der Jägerschaft: „Wir Jägerinnen und Jäger sind 365 Tage im Jahr draußen in Verantwortung für die Natur. Wir bringen Daten, Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse ein – und genau diese Kompetenzen müssen wir stärker kommunizieren.“

Die enge Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien und der wissenschaftliche Abgleich sichern dabei die Qualität nachhaltiger Jagd: „Wir sind im ständigen wissenschaftlichen Abgleich, um auf dem neuesten Stand zu sein und nachhaltig jagen zu können.“

Zugleich betonte er die Bedeutung von Offenheit und Dialog sowie die aktive Rolle der Jägerschaft als Wissens- und Verantwortungsträger: „Wir fahren nicht einfach ins Revier, erlegen etwas und fahren wieder heim. Wir beobachten, wir lernen, wir bewahren Lebensräume – wir haben viel zu erzählen.“

„Wir müssen hinausgehen, Einblick geben in das, was in der Natur geschieht, und unsere Erfahrungen selbst vermitteln – so bleibt Natur begreifbar.“

Mit über 135.000 Jägerinnen und Jägern und rund 85 % Zustimmung in der Bevölkerung zeigt Österreich eindrucksvoll, wie erfolgreich Jagd als moderner Bestandteil des Naturschutzes verankert ist.

Vor vollem Saal im Hilton Hotel am Wiener Stadtpark sprach Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Vizepräsident von Jagd Österreich sowie Landesjägermeister der Steiermark, über das österreichische Jagdsystem.

Ein zutiefst bewegender und zugleich beeindruckender Höhepunkt der Generalversammlung war der gemeinsame Marsch aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Stephansdom in die Wiener Innenstadt.

700 Menschen, 42 Nationen – und eine gemeinsame Botschaft.

Angeführt von der traditionsreichen Hoch- und Deutschmeister Marschkapelle zog die internationale Gemeinschaft – Delegierte aus 41 Gastnationen sowie Österreich als Gastgeber – mit Bannern und Flaggen für Jagd, nachhaltige Nutzung und Naturschutz durch das Herz Wiens. Dieses kraftvolle, öffentliche Bekenntnis war ein außergewöhnliches Zeichen internationaler Geschlossenheit und machte die Anliegen der Jagdgemeinschaft im urbanen Raum sichtbar und greifbar.

Der Marsch verband eindrucksvoll gelebte Tradition mit einer klaren Botschaft für die Zukunft – getragen von einer Atmosphäre des Respekts, der Würde und des gemeinsamen Verantwortungsbewusstseins.

Die anschließende ökumenische Messe im Stephansdom, zelebriert von Bischof Dr. Alois Schwarz und Superintendent Mag. Dr. Matthias Geist, verlieh diesem Moment eine besondere Tiefe. Die feierlichen Jagdhornklänge in der einzigartigen Kulisse eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Europas machten für die internationalen Gäste eindrucksvoll erlebbar, wie tief die Jagd in Österreich kulturell verwurzelt ist.

Für die Delegierten aus aller Welt wurde diese Messe zu einer eindringlichen Erfahrung: eine Verbindung aus Spiritualität, Tradition und gelebter Verantwortung für Natur und Wildtiere. Die Vereinigung so vieler Jägerinnen und Jäger aus unterschiedlichsten Kulturen an diesem Ort verlieh der Zeremonie eine außergewöhnliche Strahlkraft – als sichtbares Zeichen dafür, dass nachhaltige Jagd weit mehr ist als Praxis: Sie ist Haltung, Auftrag und gemeinsames Bekenntnis.

Mag. Norbert Totschnig: Politik als Brückenbauer

Mag. Norbert Totschnig, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, unterstrich in seiner Rede die zentrale Rolle der Jagd als integralen Bestandteil nachhaltiger Landnutzung und als unverzichtbaren Faktor für Biodiversität, Artenschutz und die Anpassung an den Klimawandel. „Ohne Jagd wäre die Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel nicht möglich.“

Als einer der wenigen Minister in Europa, der sowohl für Landwirtschaft als auch Umwelt verantwortlich ist, betonte er seine Rolle als verbindendes Element zwischen unterschiedlichen Interessen – stets mit Blick auf das große Ganze: „Ich verstehe mich als Brückenbauer im Sinne des CIC.“

Er benannte zentrale Herausforderungen, denen sich Jagd und Wildtiermanagement heute stellen müssen:

  • Invasive Wildarten, etwa der Goldschakal, sollten konsequent gemanagt werden
  • Beim Wolf brauche es ein aktives Bestandsmanagement, einschließlich Eingriffen bei sogenannten Problemindividuen, um Schäden für Mensch und Nutztiere zu verhindern
  • Generell sei eine flexible und rasche Handlungsfähigkeit entscheidend, um auf dynamische Entwicklungen reagieren zu können

Darüber hinaus hob er die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd hervor und verwies auf das österreichische Agrarumweltprogramm als Erfolgsbeispiel mit messbaren Verbesserungen der Biodiversität.

Sein Zugang ist klar: Nachhaltige Nutzung, verantwortungsvolles Management und partnerschaftliche Zusammenarbeit sind der Schlüssel für die Zukunft von Natur und ländlichen Räumen.

Abschließend richtete Mag. Totschnig einen wertschätzenden Dank an Dr. Philipp Harmer: „Sein leidenschaftlicher und unermüdlicher Einsatz für Jagd und Naturschutz wird unvergessen bleiben.“

Dr. Philipp Harmer mit Minister Mag. Norbert Totschnig.

Internationale Bedeutung und wirtschaftliche Kraft der Jagd

Dr. David Scallan, Generalsekretär der FACE, unterstrich die enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Jagd in Europa.

Auf Basis einer Studie präsentierte er eindrucksvolle Zahlen:

  • 180 Milliarden Euro jährliche Wertschöpfung
  • Über 1,1 Millionen Arbeitsplätze

Damit wurde klar: Jagd ist nicht nur kulturelles Erbe, sondern ein zentraler wirtschaftlicher und ökologischer Faktor für Europa.

Ehrung für Torbjörn Larsson: Zeichen starker Partnerschaft

Torbjörn Larsson, Ehrenpräsident der FACE, erhielt eine Ehrung durch Dr. Philipp Harmer persönlich. Dieser überreichte und würdigte Larssons jahrzehntelanges Engagement für Jagd, Naturschutz und internationale Zusammenarbeit.

Als Zeichen gegenseitiger Wertschätzung verlieh Torbjörn Larsson im Gegenzug den renommierten FACE-Diana-Award an den bisherigen CIC-Präsidenten Dr. Philipp Harmer.

Diese Geste unterstrich die enge Partnerschaft zwischen beiden Organisationen – getragen von Respekt, Vertrauen und einem gemeinsamen Ziel: die Zukunft der Jagd und des Naturschutzes international zu sichern.

Fazit: Ein starkes Signal aus Wien

Die 72. Generalversammlung des International Council for Game and Wildlife Conservation war ein eindrucksvolles Bekenntnis zur nachhaltigen Jagd und zur internationalen Zusammenarbeit.

Im Zentrum steht das Vermächtnis von Dr. Philipp Harmer, dessen Wirken das CIC nachhaltig geprägt hat.

Mit dem neuen CIC-Präsident Luis de la Peña beginnt nun ein neues Kapitel – auf einem starken Fundament, getragen von einer globalen Gemeinschaft, die sich ihrer Verantwortung für Natur, Wildtiere und kommende Generationen bewusst ist.