Židlochovicer Gespräche 2026: Jagd im gesellschaftlichen Wandel

Am 3. September 2026 fand im tschechischen Jagdschloss Židlochovice die 19. internationale Tagung „Židlochovicer Gespräche“ statt. Unter dem Motto „Die Jagd im gesellschaftlichen Wandel“ diskutierten Fachleute sowie Vertreterinnen und Vertreter von Jagdverbänden, Wissenschaft und Behörden über Jagdethik, gesellschaftliche Verantwortung und die Zukunft der Jagd. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich, Tschechien, der Slowakei, Deutschland, Polen und Italien beziehungsweise Südtirol kamen zum länderübergreifenden Austausch zusammen.

Veranstaltet wurde die Tagung vom Verein Grünes Kreuz und dem Mitteleuropäischen Institut für Wildtierökologie in Zusammenarbeit mit Jagd Österreich und dem Landwirtschaftsministerium der Tschechischen Republik. Durch den Tag führte Dr. Miroslav Vodnansky, Vizepräsident des Vereins Grünes Kreuz und Vorstandsvorsitzender Mitteleuropäisches Institut für Wildtierökologie . Er würdigte die Bereitschaft der Vertreterinnen und Vertreter aus zahlreichen Ländern, sich offen über gemeinsame Herausforderungen auszutauschen.

Länderübergreifender Austausch

Zu Beginn begrüßten Dr. Miroslav Vodnansky, Ing. Eduard Levý vom tschechischen Landwirtschaftsministerium, Jagd-Österreich-Präsident LJM DI Anton Larcher, Wolfgang Heins, Vizepräsident des Deutschen Jagdverbandes, sowie PaedDr. Imrich Šuba, PhD., Direktor der Geschäftsstelle des Slowakischen Jagdverbandes, die Anwesenden.

Anton Larcher, Präsident von Jagd Österreich und Tiroler Landesjägermeister, überbrachte die Grüße des Dachverbandes und hob die langjährige Zusammenarbeit hervor. Er verwies auf die besondere Struktur des österreichischen Jagdwesens: Anders als in Deutschland ist die Jagdgesetzgebung in Österreich Landessache. Aktuelle Entwicklungen – von der Anerkennung der Jagd als systemrelevante Tätigkeit während der Corona-Pandemie bis zur Novellierung des Waffengesetzes – verdeutlichten zugleich die Bedeutung einer starken gemeinsamen Interessenvertretung.

Jagd Österreich war durch Anton Larcher und den oberösterreichischen Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner vertreten. Sieghartsleitner hob hervor, dass Jagd weit mehr als der Schuss sei. Entscheidend seien die innere Einstellung und die Bereitschaft, sich mit Freude und aus eigener Überzeugung für das Wild und seine Lebensräume einzusetzen. Für ihn sei Jagd eine von Leidenschaft, Empathie und Werten geprägte Lebenshaltung.

Auch die Landesjagdverbände Kärnten und Steiermark waren vertreten. Für den Niederösterreichischen Jagdverband nahm Vorstandsmitglied BJM DI Andreas Berger teil. Unter den weiteren Gästen befanden sich Univ.-Prof. Dr. Claudia Bieber, Leiterin des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien, sowie Arno Wimpffen als Vertreter des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC).

19. Internationale Tagung: Židlochovicer Gespräche 2026

Jagdethik im Mittelpunkt

Einen besonderen Schwerpunkt der Tagung bildeten ethische Fragen. CR Martin Ossmann, Chefredakteur des Fachmagazins „Der Anblick“ und Akademischer Jagdwirt, beleuchtete in seinem Auftaktvortrag „Jagd im gesellschaftlichen Wandel – Herausforderungen und Chancen“ die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen an die Jagd. Dabei thematisierte er unter anderem steigende Jagdkartenzahlen, die Anforderungen an Wildregulation und Kommunikation sowie die Bedeutung von Passion und Emotion: Jagd sei mehr als die Erfüllung notwendiger Aufgaben.

Univ.-Prof. Dr. Markus Moling von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen widmete sich der Frage „Warum Ethik?“. Er fragte nach der Essenz der Jagd, sprach über die Freude am Wild als Motivation und betonte die Notwendigkeit, das eigene Handeln immer wieder kritisch zu prüfen.

Simone Lechner, Akademische Jagdwirtin und Absolventin des USG Angewandte Ethik, stellte in ihrem Vortrag „Zwischen Handlung und Haltung – Jagdethik in der jagdlichen Praxis“ eine einfache, aber entscheidende Frage in den Raum: „Soll ich das?“ Nicht allein das technisch oder rechtlich Mögliche, sondern die Haltung hinter einer Entscheidung sei maßgeblich.

Christine Fischer, MBA (Digital Business), Akademische Jagdwirtin, HIRSCH&CO beschäftigte sich mit der Jagdkommunikation im digitalen Raum. Sie zeigte auf, dass Reichweite nicht automatisch eine positive Wirkung bedeutet und jagdliche Inhalte außerhalb der eigenen Gemeinschaft häufig anders wahrgenommen werden. Glaubwürdige Kommunikation müsse daher fachlich richtig, verständlich und folgenbewusst sein.

Seitens Jagd Österreich wurden in der anschließenden Diskussion die Ergebnisse der österreichweiten Umfrage zur gesellschaftlichen Wahrnehmung der Jagd präsentiert. Die im Dezember 2025 durchgeführte Studie zeigt eine hohe Akzeptanz: 85 Prozent der Befragten erkennen den positiven Nutzen der Jagd für Österreich an. Ebenso viele bewerten die Jagd positiv, wenn sie verantwortungsvoll und ethisch ausgeübt wird.

Die Diskussionen machten deutlich, wie stark das Verständnis von Jagd durch Landschaften, Wildarten und regionale Rahmenbedingungen geprägt wird. Im Nachgang zur Tagung fasste Dr. Miroslav Vodnansky eine zentrale Beobachtung zusammen: In den slawischen Ländern werde die Jagd tendenziell stärker als notwendige Dienstleistung wahrgenommen. Im deutschsprachigen Raum seien hingegen u. a. auch die Hege sowie die Erhaltung und Verbesserung von Lebensräumen besonders stark im jagdlichen Selbstverständnis verankert. Damit träten hier die persönliche Leidenschaft und das Engagement für Wild und Lebensraum deutlicher hervor.

DI Matthias Grün, Vorstandsvorsitzender von Esterházy, sprach unter anderem über die Möglichkeit, Schwarzwild am Tag zu bejagen. Zugleich betonte er die Verantwortung, jagdbaren wie nicht jagdbaren Wildarten Rückzugsräume und – wo es die Revierverhältnisse zulassen – ungestörte Nachtzeiten zu ermöglichen.

Dr. Peter Paulsen von der Veterinärmedizinischen Universität Wien erinnerte an einen früheren Schwerpunkt „Handwerk Jagd“ des Niederösterreichischen Jagdverbandes. Mit dem Vergleich zwischen einem Tischler und einem bloßen Holzverarbeiter verdeutlichte er, dass auch der Einsatz moderner Technik Teil eines erlernten und verantwortungsvoll ausgeübten jagdlichen Handwerks sein müsse.

Dr. Carsten Scholz, Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt, schilderte die besonderen kulturlandschaftlichen Gegebenheiten seines Bundeslandes. Große landwirtschaftliche Flächen und die notwendige Vermeidung von Schwarzwildschäden stellten dort andere Anforderungen an die Jagd und machten auch den Einsatz technischer Hilfsmittel erforderlich.

Aufgaben der Jagd im Wandel

Im Nachmittagsprogramm sprach Wolfgang Holzinger, GTML GmbH, über „Jagdethik und Technik im Wertewandel“. Wildbiologe und Autor zahlreicher Fachbücher Dr. Hubert Zeiler zeichnete unter dem Titel „Welche Jäger brauchen wir?“ die historische Entwicklung der jagdlichen Aufgaben nach – vom Wildschutz und dem Vorgehen gegen Wilderei in der Zwischenkriegszeit bis zu den vielfältigen Anforderungen der Gegenwart.

Univ.-Prof. Dr. Jiří Kamler von der Gregor-Mendel-Universität Brno beschäftigte sich mit der Frage „Wildregulation ja, aber wie?“. Den Abschluss der Vortragsreihe bildete Univ.-Prof. Dr. Dr. Sven Herzog von der Technischen Universität Dresden mit dem Thema „Warum jagen wir?“.

Die Vortragsblöcke wurden von regen und konstruktiven Diskussionen begleitet, in denen die unterschiedlichen regionalen und jagdlichen Rahmenbedingungen sichtbar wurden.

Dieser Rückblick gibt einen Überblick über die Tagung und greift ausgewählte Inhalte und Wortmeldungen auf. Ein vertiefender Beitrag auf Jagdfakten.at wird demnächst zentrale Aussagen der Vorträge und Diskussionen sowie die daraus gewonnenen Erkenntnisse ausführlicher beleuchten. Begleitet wird der Artikel von weiteren Bildern des Veranstaltungstages.

Bild: © Michaela Landbauer, Jagd Österreich