59. Internationale Jagdkonferenz in Salzburg: Grenzüberschreitender Dialog für eine verantwortungsvolle Jagd

Wie kann Jagd auch künftig gesellschaftlich akzeptiert, ethisch verantwortungsvoll und zukunftsorientiert gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 59. Internationalen Jagdkonferenz, die am 25. und 26. Juni 2026 in Anif bei Salzburg stattgefunden hat. Vertreterinnen und Vertreter von Jagdorganisationen aus Österreich, Südtirol, der Schweiz und Luxemburg sowie der europäischen Dachorganisation FACE aus Brüssel nutzten die traditionsreiche Veranstaltung für einen intensiven Austausch über aktuelle jagdpolitische Entwicklungen, Tierethik, moderne Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsame Zukunftsfragen der Jagd.

Die Internationale Jagdkonferenz wurde nach einigen Jahren Pause auf Initiative von Jagd Österreich-Präsident und Tiroler Landesjägermeister DI (FH) Anton Larcher wieder aufgenommen. Die organisatorische Umsetzung der traditionsreichen Veranstaltungsreihe erfolgte durch Jagd Österreich mit dem Ziel, den grenzüberschreitenden Dialog zwischen den Jagdorganisationen wieder zu stärken und gemeinsame Antworten auf aktuelle Herausforderungen der Jagd zu erarbeiten.

Vertreterinnen und Vertreter der Jagdorganisationen aus Österreich, Südtirol, der Schweiz, Luxemburg und der europäischen Dachorganisation FACE trafen sich zur 59. Internationalen Jagdkonferenz in Anif bei Salzburg.

Aus Österreich nahmen neben Jagd Österreich-Präsident und Tiroler Landesjägermeister DI (FH) Anton Larcher auch Vorarlbergs Landesjägermeister Manfred Vonbank, Salzburgs Landesjägermeister Maximilian Mayr-Melnhof, Salzburgs Landesjägermeister-Stellvertreterin Mag. Gabriele Fiedler, Kärntens Landesjägermeister-Stellvertreter Georg Helmigk sowie Geschäftsführer und Delegierte der Landesjagdverbände an der Konferenz teil.

„Es freut mich sehr, dass es gelungen ist, die Internationale Jagdkonferenz wieder ins Leben zu rufen. Gerade in einer Zeit, in der die Jagd in vielen Ländern vor ähnlichen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen steht, ist der Austausch über Landesgrenzen hinweg wichtiger denn je. Wildtiere kennen keine Grenzen – deshalb sollten auch wir voneinander lernen, Erfahrungen teilen und gemeinsam an einer verantwortungsvollen und zukunftsorientierten Jagd arbeiten“, betonte Jagd Österreich-Präsident und Tiroler Landesjägermeister DI (FH) Anton Larcher.

Tierethik und Weidgerechtigkeit im Mittelpunkt

Den inhaltlichen Auftakt bildete der Vortrag von Autor und Jagdphilosoph Dr. Alexander Schwab zum Thema „Tierethik versus Weidgerechtigkeit“. Er zeigte auf, wie sich das gesellschaftliche Verständnis von Tierethik über die Jahrhunderte verändert hat und welche Bedeutung der Weidgerechtigkeit als dynamischem Grundsatz einer verantwortungsvollen Jagd zukommt. Deutlich wurde dabei, dass Jagd heute mehr denn je gefordert ist, ihre Aufgaben nachvollziehbar und faktenbasiert zu vermitteln.

Verantwortung in der jagdlichen Kommunikation

Im Anschluss diskutierten die Akademischen Jagdwirtinnen Christine Fischer, MBA, und Simone Lechner, Jagd-Influencer und Blogger Patrick Gamberoni, Dr. Alexander Schwab und Werner Bürkl, Geschäftsführer Kettner, unter der Moderation von Thomas Weber, Journalist und Herausgeber Biorama, über moderne Öffentlichkeitsarbeit, Verantwortung und Ethik. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen sozialer Medien auf die öffentliche Wahrnehmung der Jagd, der verantwortungsvolle Umgang mit jagdlichen Bildern und Inhalten sowie die Frage, wie jagdliche Werte authentisch, weidgerecht und verständlich vermittelt werden können.

Einigkeit bestand darüber, dass die Jagd in der öffentlichen Wahrnehmung häufig auf den Moment des Abschusses reduziert wird, ihre tatsächlichen Aufgaben jedoch weit darüber hinausgehen. Die ganzjährige Verantwortung für Wildtiere und ihre Lebensräume, die Gestaltung und Pflege wertvoller Habitate, Wildtiermanagement sowie Natur- und Artenschutz prägen das jagdliche Handeln in gleicher Weise. Umso wichtiger ist es, diese vielfältigen Aufgaben glaubwürdig und verständlich zu kommunizieren und dabei die eigene Verantwortung für das Bild der Jagd in der Öffentlichkeit stets mitzudenken.

Ebenso wurden Chancen und Herausforderungen moderner Jagdtechnik sowie deren verantwortungsvoller Einsatz im Spannungsfeld zwischen Effizienz, Ethik und Weidgerechtigkeit intensiv diskutiert.

Jagd Österreich-Präsident und Tiroler Landesjägermeister DI (FH) Anton Larcher führte durch die Eröffnung der 59. Internationalen Jagdkonferenz.

Herausforderungen für Jagd und Grundeigentum

Mit einer Keynote von Alexander Stärker, Vorsitzender des Verbands der Familienbetriebe Land und Forst in Bayern, wurde der Blick anschließend auf die aktuellen Rahmenbedingungen für Jagd und Grundeigentum gerichtet. Stärker beleuchtete die vielfältigen rechtlichen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, mit denen Grundeigentümer und Jagdausübungsberechtigte heute konfrontiert sind. Dabei wurde deutlich, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Grundeigentum und Jagd für eine nachhaltige Landnutzung und den Erhalt funktionierender Lebensräume ist.

Jagdpolitik kennt keine Grenzen

Ein weiterer Programmpunkt war der jagdpolitische Lagebericht der teilnehmenden Länder. Dabei informierten Jagd Österreich-Generalsekretär Mag. Jörg Binder, Ronja Stöckli von der Jagd Schweiz, Benedikt Terzer, Geschäftsführer Südtiroler Jagdverband, sowie Luc Bohler, administrativer Verantwortlicher des luxemburgischen Jagdverbandes, über aktuelle Entwicklungen in ihren jeweiligen Ländern. Ergänzend berichtete André Gresser für die europäische Dachorganisation FACE über gegenwärtige Themen auf EU-Ebene und deren Auswirkungen auf die Jagd in Europa. Zusätzlich wies Lutz Molter, Bakk. Phil., Generalsekretär-Stellvertreter von Jagd Österreich, auf den laufenden Stresstest der Vogel- und Habitatrichtlinie und die laufende öffentliche Konsultation hin. Obwohl der Stresstest vornehmlich auf einen Bürokratieabbau abzielt, kann das Ergebnis starke Auswirkungen auf den Umgang mit jagdbaren Wildarten in Europa haben. Daher ist es notwendig, zahlreich die jagdliche Perspektive und Expertise in den Prozess einfließen zu lassen. Die öffentliche Konsultation endet am 10. August und Jagd Österreich wird dazu noch ein entsprechendes Informationsschreiben über Newsletter und Website veröffentlichen. Der länderübergreifende Erfahrungsaustausch machte deutlich, dass viele jagdpolitische Herausforderungen nationale Grenzen überschreiten und gemeinsame Lösungsansätze erfordern.

Wichtige Impulse für die Zukunft

Die 59. Internationale Jagdkonferenz machte deutlich, dass die Zukunft der Jagd nicht nur von jagdpolitischen Entscheidungen, sondern auch von einer verantwortungsvollen und zeitgemäßen Kommunikation abhängt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten dazu zahlreiche Ideen und Denkanstöße, die künftig weiter vertieft werden sollen.

So wurde angeregt, freiwillige Qualitätsstandards für Jagd-Influencer sowie weitere Personen, die jagdliche Inhalte in sozialen Medien veröffentlichen, zu entwickeln, um Transparenz, Verantwortungsbewusstsein und eine waidgerechte Darstellung jagdlicher Inhalte zu fördern. In diesem Zusammenhang wurde auch die Idee eines freiwilligen „Code of Social Hunting“ als gemeinsamer Orientierungsrahmen diskutiert, zu dem sich Content Creator freiwillig bekennen könnten.

Darüber hinaus bestand Einigkeit darüber, dass es sinnvoll wäre, Jagdethik und Kommunikationskompetenz künftig noch stärker in der Aus- und Weiterbildung zu verankern sowie das Bewusstsein der gesamten Jägerschaft für die Außenwirkung jagdlicher Kommunikation – insbesondere von Bildern und Inhalten in sozialen Medien – weiter zu stärken. Auch der professionelle Umgang mit Krisensituationen und negativen Darstellungen der Jagd in Medien und sozialen Netzwerken wurde als wichtiges Zukunftsthema identifiziert.

Die eingebrachten Ideen sollen als Impulse dienen, um die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd langfristig zu stärken und den gemeinsamen Dialog über Ländergrenzen hinweg weiterzuführen.

Internationale Zusammenarbeit bleibt zentral

Zum Abschluss zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein durchwegs positives Fazit. Der intensive und konstruktive Austausch zeigte einmal mehr, wie wertvoll die Zusammenarbeit der Jagdorganisationen über Ländergrenzen hinweg ist. Viele Herausforderungen – von jagdpolitischen Entwicklungen über ethische Fragestellungen bis hin zur Kommunikation – betreffen zahlreiche Länder gleichermaßen.

Die Internationale Jagdkonferenz verstand sich dabei bewusst nicht nur als Plattform für den Erfahrungsaustausch, sondern auch als Impulsgeber für die Weiterentwicklung einer verantwortungsvollen Jagd. Im Mittelpunkt stand das gemeinsame Ziel, die Verantwortung der Jagd gegenüber Wildtieren, ihren Lebensräumen und der Gesellschaft sichtbar zu machen sowie Vertrauen durch ethisches Handeln und eine glaubwürdige, zeitgemäße Kommunikation weiter zu stärken.

Die Internationale Jagdkonferenz soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Ziel bleibt es, den grenzüberschreitenden Austausch weiter zu vertiefen, voneinander zu lernen und gemeinsam an einer verantwortungsvollen, nachhaltigen und zukunftsorientierten Jagd in Europa zu arbeiten.

Fotos: Michael Vogl