„Man muss bereit sein, sich einzubringen, wenn man etwas gestalten möchte“

Anton Larcher ist Unternehmer, Jäger, Landesjägermeister von Tirol und im Jahr 2026 Präsident von Jagd Österreich. Im Interview spricht er über seinen beruflichen Werdegang, seinen persönlichen Weg zur Jagd und darüber, wie er Schritt für Schritt Verantwortung in jagdlichen Funktionen übernommen hat. Zudem erzählt er, was ihm für die Zukunft der Jagd besonders wichtig ist und warum eine starke gemeinsame Interessenvertretung über die Grenzen der Bundesländer hinweg notwendig ist.

Anton Larcher, Präsident Jagd Österreich 2026
Jagd Österreich Präsident Anton Larcher © Anna Rauchenberger

Beruflicher Weg und jagdliches Engagement

Herr Larcher, wenn Sie auf Ihren bisherigen Lebensweg zurückblicken: Welche beruflichen und persönlichen Stationen haben Sie besonders geprägt?

Mein beruflicher Weg war über viele Jahre sehr stark von der Bauwirtschaft geprägt. Rund 15 Jahre war ich als Bauleiter in einem Spezialbauunternehmen tätig. Das war eine intensive und lehrreiche Zeit, in der ich früh Verantwortung für Mitarbeiter, Baustellen und Projekte übernehmen durfte.

Irgendwann kam für mich der Punkt, an dem ich mich fachlich weiterentwickeln und neue Wege gehen wollte. Ich habe daher berufsbegleitend ein Studium absolviert, die Baumeisterprüfung abgelegt und schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und mein eigenes Bauunternehmen gegründet.

Gerade die Verbindung aus praktischer Erfahrung, Weiterbildung und Unternehmertum hat mich sehr geprägt. Man lernt dabei, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und auch in schwierigen Situationen nach Lösungen zu suchen. Diese Erfahrungen haben mir später auch bei meinen jagdlichen Funktionen sehr geholfen.

Unternehmer, Jäger, Jagdpächter, Jagdaufseher, langjährig in der Jungjäger- und Jagdaufseherausbildung engagiert, Landesjägermeister Tirol und heuer Präsident von Jagd Österreich – Sie kennen die Jagd aus vielen unterschiedlichen Perspektiven. Wie kam es dazu, dass Sie sich über die eigene Jagdausübung hinaus für die Anliegen der Jägerschaft engagieren?

Vieles davon war keineswegs geplant. Ich wurde relativ unerwartet zum Bezirksjägermeister gewählt und durfte diese Funktion acht Jahre lang ausüben. In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie spannend, aber auch wie verantwortungsvoll es ist, die Interessen der Jägerschaft zu vertreten und an der Weiterentwicklung der Jagd mitzuwirken.

Ebenso unerwartet kam später meine Wahl zum Landesjägermeister. Damals stand der Tiroler Jägerverband vor großen Herausforderungen. Der Verband musste in wesentlichen Bereichen reformiert und neu aufgestellt werden, gleichzeitig stand eine umfangreiche Novelle des Tiroler Jagdgesetzes bevor. Das waren große Aufgaben, die viel Einsatz, Gesprächsbereitschaft und auch den Mut zu Veränderungen verlangt haben.

Rückblickend war das eine sehr herausfordernde, aber auch ungemein spannende Zeit. Aus einer zunächst ehrenamtlichen Aufgabe wurde immer mehr Verantwortung – und letztlich die Überzeugung, dass man bereit sein muss, sich einzubringen, wenn man etwas gestalten und verbessern möchte.

Wann und wie sind Sie zur Jagd gekommen – und wer oder was hat Ihre Begeisterung dafür geweckt?

Ich war jagdlich überhaupt nicht vorbelastet. In meiner Familie gab es also keine jagdliche Tradition, in die ich hineingewachsen wäre.

Der Zugang zur Jagd entstand vielmehr durch ein Waldgrundstück, das ich geerbt hatte. Dadurch wurde ich Mitglied einer Jagdgenossenschaft in Innsbruck und begann mich erstmals intensiver mit der Jagd und den damit verbundenen Aufgaben auseinanderzusetzen.

Mein Interesse war sehr schnell geweckt. Ich absolvierte daraufhin die Jagdprüfung und erwarb anschließend in dieser Jagd einen Erlaubnisschein. Von diesem Zeitpunkt an hat mich die Jagd nicht mehr losgelassen.

Was hat Sie damals an der Jagd fasziniert, und was begeistert Sie bis heute daran?

Von Anfang an hat mich vor allem fasziniert, die Zusammenhänge in der Natur kennenzulernen und zunehmend besser zu verstehen. Wer sich ernsthaft mit der Jagd beschäftigt, beginnt Lebensräume, Wildtiere, Vegetation, Jahreszeiten und natürliche Abläufe mit anderen Augen zu sehen.

Diese Faszination hat sich bis heute erhalten. Im Gegenteil: Je mehr man weiß und je länger man jagt, desto deutlicher wird einem, wie komplex diese Zusammenhänge sind und wie viel es noch zu lernen gibt.

Für mich ist genau das ein wesentlicher Teil der Jagd: beobachten, verstehen und daraus Verantwortung für Wild und Lebensraum ableiten.

Anton Larcher, Präsident Jagd Österreich 2026
Jagd Österreich Präsident Anton Larcher © Anna Rauchenberger

Zwischen Revier, Verantwortung und Zukunft

Bleibt bei Ihren zahlreichen Aufgaben noch Zeit für die eigene Jagd?

Ja – wenn man sich die Zeit dafür bewusst nimmt.

Natürlich sind meine beruflichen und jagdpolitischen Verpflichtungen umfangreich und der Terminkalender ist entsprechend gefüllt. Aber die eigene Jagd und vor allem die Zeit im Revier sind für mich wichtig. Man darf bei all den Sitzungen, Besprechungen und Veranstaltungen nicht den Bezug zu dem verlieren, worüber man täglich spricht und für das man Verantwortung trägt.

Deshalb versuche ich ganz bewusst, mir diese Zeit zu nehmen.

Welche Wildart und welche Jagdart liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen – und warum?

Ganz eindeutig das Gamswild. Für mich ist es eine der faszinierendsten Wildarten überhaupt.

Mich begeistert einerseits der Lebensraum, in dem das Gamswild lebt, andererseits aber auch die Wildart selbst. Das Gamswild bietet sehr viele Möglichkeiten des Ansprechens und Beobachtens. Ich kann Gamswild stundenlang – eigentlich den ganzen Tag – beobachten, ohne dass es langweilig wird.

Gerade bei der Gamsjagd gehört für mich das Beobachten und richtige Ansprechen wesentlich stärker dazu als der eigentliche Schuss. Diese intensive Beschäftigung mit dem einzelnen Stück, dem Bestand und dem Lebensraum macht für mich einen ganz besonderen Reiz aus.

Gibt es ein Jagderlebnis oder einen Moment im Revier, der Ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?

Da gäbe es viele – und alle aufzuzählen würde wohl den Rahmen dieses Interviews sprengen.

Besonders viele meiner schönsten jagdlichen Erinnerungen sind mit dem Gamswild und der Gamsjagd verbunden. Dabei sind es nicht unbedingt nur erfolgreiche Erlegungen, die in Erinnerung bleiben. Oft sind es gerade die langen Beobachtungen, besondere Begegnungen mit Wild, anspruchsvolle Pirschgänge oder Tage im Gebirge, an denen man vielleicht überhaupt keinen Schuss abgegeben hat.

Mit zunehmender jagdlicher Erfahrung erkennt man, dass ein außergewöhnliches Jagderlebnis nicht zwingend mit einer Erlegung enden muss. Manche der eindrucksvollsten Momente nimmt man einfach als Erinnerung mit nach Hause.

Sie stehen seit vielen Jahren an der Spitze der Tiroler Jägerschaft. Mit der Initiative „Tiroler Jagd 2030“ wurde ein Zukunftsprozess angestoßen. Welche Themen und Ziele sind Ihnen dabei besonders wichtig?

Wir haben „Tiroler Jagd 2030“ bewusst in einem längeren und breit angelegten Prozess entwickelt. Deshalb möchte ich hier auch kein einzelnes Themenfeld herausgreifen – sie sind für mich alle wichtig und hängen vielfach unmittelbar miteinander zusammen.

Es geht um die Zukunft unserer Wildtiere und ihrer Lebensräume, um zeitgemäßes Wildtiermanagement, um Aus- und Weiterbildung, um die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd, um Kommunikation und Wissenschaft ebenso wie um die Frage, wie wir junge Menschen für die Jagd und für die Übernahme von Verantwortung gewinnen können.

Entscheidend ist für mich, dass wir nicht erst reagieren, wenn Veränderungen bereits eingetreten sind. Wir müssen uns frühzeitig mit den Entwicklungen beschäftigen und selbst Vorstellungen davon entwickeln, wie die Jagd von morgen aussehen soll.

Seit Anfang dieses Jahres sind Sie Präsident von Jagd Österreich. Mit welchen Schwerpunkten sind Sie in diese Funktion gestartet und konnten Ziele oder Projekte im ersten Halbjahr 2026 bereits umgesetzt bzw. auf den Weg gebracht werden?

Ein besonderes Anliegen war mir, die Internationale Jagdkonferenz wieder ins Leben zu rufen. Dass dies gelungen ist und wir daraus eine wirklich erfolgreiche Veranstaltung machen konnten, hat mich persönlich sehr gefreut.

Gerade in einer Zeit, in der viele jagdliche und wildökologische Fragestellungen längst nicht mehr an Landes- oder Staatsgrenzen enden, halte ich den internationalen Austausch für besonders wichtig. Wir können viel voneinander lernen und müssen unsere gemeinsamen Interessen auch überregional vertreten.

Ein weiterer besonderer Moment war für mich, als Präsident von Jagd Österreich die Österreichische Jägertagung eröffnen zu dürfen. Diese Veranstaltung bringt Wissenschaft, jagdliche Praxis und Verantwortungsträger zusammen. Genau diesen Dialog halte ich für die Zukunft der Jagd für unverzichtbar.

Was ist Ihnen persönlich für die Zukunft der Jagd in Österreich besonders wichtig?

Wir müssen unser Wissen über die Entwicklung unserer Wildbestände weiter verbessern. Deshalb halte ich eine Verstärkung und Weiterentwicklung des Monitorings verschiedener Wildarten für besonders wichtig. Gute Entscheidungen im Wildtiermanagement brauchen eine möglichst verlässliche Datengrundlage.

Gleichzeitig müssen wir uns intensiv mit dem Lebensraum beschäftigen. Dazu gehören die Erhaltung und Verbesserung geeigneter Wildtierlebensräume ebenso wie deren Vernetzung und die Schaffung ausreichender Ruhe- und Rückzugsräume.

Eine weitere zentrale Aufgabe sehe ich in der Reduktion des Wildeinflusses auf die Vegetation, insbesondere dort, wo die Waldverjüngung beeinträchtigt wird. Wald und Wild dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Unser Ziel muss ein ausgewogenes Verhältnis sein, das sowohl vitale Wildbestände als auch die Entwicklung klimafitter und stabiler Wälder ermöglicht.

Für mich bedeutet zeitgemäße Jagd deshalb immer, Wildtier, Lebensraum und die unterschiedlichen Interessen der Menschen gemeinsam zu betrachten.

Was möchten Sie den Jägerinnen und Jägern in Österreich abschließend mit auf den Weg geben?

Mir ist wichtig, dass den Jägerinnen und Jägern bewusst ist, wie bedeutend eine starke gemeinsame Interessenvertretung für die Zukunft der Jagd ist.

Mit Jagd Österreich haben die Landesjagdverbände eine gemeinsame Dachorganisation, die unsere Interessen auf Bundesebene und zunehmend auch auf europäischer Ebene vertritt. Viele Entscheidungen, die unmittelbare Auswirkungen auf unsere Jagd haben, werden heute nicht mehr ausschließlich in den einzelnen Bundesländern getroffen.

Deshalb müssen wir über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten und bei den wesentlichen Fragen mit einer starken gemeinsamen Stimme auftreten.

Diese Bedeutung von Jagd Österreich sollte bei jedem einzelnen Jäger und jeder einzelnen Jägerin ankommen. Denn letztlich geht es nicht um Organisationen oder Funktionen, sondern darum, die Jagd, wie wir sie kennen und verantwortungsvoll ausüben, auch für kommende Generationen zu erhalten.

Bilder für diesen Beitrag: © Anna Rauchenberger